08 02 09

Klassische Massenmedien vs. Sharing Economy

Die Internationale Musik- und Video-Industrie befindet sich in einer Krise. Jedes Jahr steigen die Verluste, die sie durch den illegalen Austausch von Medien-Dateien erleiden.
Veröffentlicht sie heute einen neuen Musik- oder Filmtitel, ist er bereits seit gestern schon im Web zu finden.
Erfindet sie heute einen neuen Kopierschutz, ist er morgen geknackt.
Kann sie einen Medien-Piraten überführen, gibt es bereits 100.000 neue.
Erhöht sie die Datenmenge durch neue Medienträger und erschwert so deren Übermittlung über das Web, gibt es morgen schnellere Leitungen und Rechner.
Es ist ein Rennen Hase gegen Igel und selbst der grösste Optimist kann nicht ernsthaft mehr glauben, dass der Hase “Medienindustrie” nur den Hauch einer Chance haben kann. Ohnmächtig und mit Unverständnis steht sie vor einem Scherbenhaufen (den sie auch noch selbst mit der Einführung digitaler Medien initiierte), der mit Sicherheit dazu führen wird, dass diese Giganten der medialen Revolution des letzten Jahrhunderts zu den ausgestorbenen Dinosauriern dieses Jahrunderts zählen werden…wenn sie sich nicht bald bewegen und die Realität durch Umdenken akzeptieren.

Die Realität, dass ist der moderen Internetnutzer, der nicht mehr vor einer Leinwand, einem Fernsehbildschirm, einer Musikanlage sitzt und ein stiller, egozentrierter Konsument ist.
Die Realität ist ein Internetnutzer, der kreuz und quer im Web vernetzt ist, einen Teil seines sozialen Lebens digitalisiert hat, für den Filme und Musik nur noch Dateien sind, die er mühelos von einer Festplatte zur anderen schieben kann, für den eine Datei keinen messbaren ökonomischen Wert mehr besitzt und der genau weiss, dass die Gesetzgebung seiner unter den 1,5 Milliarden Interntnutzern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht habhaft werden kann. Diese Internetnutzer sind ein Teil dessen, was man als “Sharing Economy” (eine Ökonomie, die auf der Basis des Teilens besteht) bezeichnet und somit das genaue Gegenteil der klassischen “Mir gehört es alleine und wenn ihr es wollt, müsst ihr es nach meinen Bedingungen kaufen”-Massenmedien-Philosophie darstellt. Das aber Geschäftsmodelle, die sich an den Wünschen der Internetnutzer orientieren, erfolgreich sind, hat nicht nur die Band Radiohead bereits bewiesen.

Natürlich sind auch einzelne KünstlerInnen und Kulturschaffende von dieser Entwicklung nicht ausgenommen und ein wichtiges Thema der stART.09 wird sein, wie man diese Umstände nutzen kann, um dennoch (oder gerade deswegen!) erfolgreich zu wirtschaften.

Jemand, der die Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und Mediendistribution verstanden hat, ist Joichi Ito. Er ist u. a. Vorstandsmitglied von Creative Commons, was mit seiner deutschen Übersetzung “schöpferisches Gemeingut” sehr schön den Gedanken dahinter beschreibt: AutorInnenen können der Öffentlichkeit an ihren Werken, wie zum Beispiel Texten, Bildern, Musikstücken usw., Nutzungsrechte einräumen, für die es verschiedene, sehr einfach individuell zu definierende Linzenzverträge gibt.
Joichi Ito hat vor ein paar Tagen auf der DLD conference in München einen interessanten Vortrag in englischer Sprache gehalten, in dem er den oben beschriebenen Zustand aus seiner Sicht wiedergibt und auf die Konsequenzen eingeht. Das Video und seine Präsentation zu diesem Vortrag möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

On Creative Commons

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Klassische Massenmedien vs. Sharing Economy

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