19 02 09

Web2.0: jeder kann partizipieren, aber nicht jeder tut es

Impressionen
© Paul-Georg Meister; Pixelio

Die Frage, wie man es schafft, die User in den diversen Communities zum Mitmachen zu bewegen, ist wohl eine, die uns alle bewegt. Gute Ratschläge gibt es genug. Museum2.0-Bloggerin Nina Simon hat in ihrem Beitrag “The Exclusivity Paradox” einige der bekanntesten zusammengefasst:

  • “make the platform easy to use,
  • welcome people in,
  • anyone can contribute!
  • This is for everyone!”

Aber so lautet ihre Frage, sprechen wir mit der Botschaft, dass die Plattform für alle da sei, überhaupt die (wenigen) User an, die sich aktiv an der Community beteiligen und eigene Inhalte beisteuern? Denn:

“They’re special, and maybe we should start treating them as unique members of an exclusive society.”

Angesichts der Tatsache, dass sich von 100 Mitgliedern einer Community 90% völlig passiv verhalten, 9% ab und zu etwas beisteuern und lediglich einer von hundert wirkliche Inhalte zur Verfügung stellt, lässt sich dieser Ansatz nicht ganz von der Hand weisen.

Anstatt darauf hinzuweisen, dass jeder etwas beitragen könne, schlägt Simon eine andere Strategie vor: darauf hinzuweisen, dass nur einer von hundert sich aktiv in die Community einbringt und die Frage zu stellen, ob man dieser eine sein wolle?

“If everyone can do it, why bother? If only YOU can do it, the motivation goes up”,

ist sie überzeugt.

Eine spannende Frage, denn in der Regel stellen wir den Aspekt des Mitmachens in den Vordergrund, sprechen von offenen Plattformen, bei denen Partizipation ein ganz entscheidendes Element ist. Aber vielleicht ist das der falsche Weg? Stellt die Aussicht, Teil eines exklusiven Zirkels zu sein bzw. im Mittelpunkt zustehen, unter Umständen einen viel größeren Anreiz dar und würde das dann sogar dazu führen, dass sich - Exklusivität hin oder her - mehr Menschen aktiv einbringen und wir so einen höheren Grad an Partizipation erreichen?

In den Kommentaren zu Nina Simons Beitrag habe ich einen Hinweis auf ein Blogpost von Nicholas Carr gefunden, das hier ganz gut reinpasst. Der hat dort schon im Sommer 2006 geschrieben:

“What we tell ourselves about the blogosphere - that it’s open and democratic and egalitarian, that it stands in contrast and in opposition to the controlled and controlling mass media - is an innocent fraud.”

Unter “innocent fraud” versteht Carr eine Lüge, die die meisten von uns glücklich macht. Ist das Social Web also gar nicht das verheißene Land, in dem wir alle gleich sind? Und werden wir eher von der Aussicht angetrieben, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, als von der Aussicht auf eine große Familie? Was denken Sie?

Web2.0: jeder kann partizipieren, aber nicht jeder tut es

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