06 03 09

Kulturunternehmen 2.0

Haben wir bisher über das Thema “Web 2.0″, also die Nutzung innovativer Internet-Anwendungen zur Aussendarstellung gesprochen, möchte ich mit diesem Beitrag den gleichen Grundgedanken in eine andere Richtung lenken.

Immer häufiger tauchte in den letzten Jahren der Begriff “Enterprise 2.0″ auf. Gemeint ist damit die Übernahme der Erfahrungen und Techniken des Webs in die Kommunikationsstrukturen eines firmeneigenen Intranets. Auch wenn diese Entwicklung schon breit diskutiert wird, so tun sich doch nicht nur deutsche Unternehmen mit der Umsetzung schwer, auch wenn die Vorteile ganz klar auf der Hand liegen:
-Das Wissen Vieler  kann durch einfach zu bedienende, automatisierte Handlungen archiviert und allen zur Verfügung gestellt werden. Ähnliches kennen wir aus unseren Computerbrowsern als “Lesezeichen” oder im Internet zum einen als Wikis und zum anderen als sogenannte “Bookmarking Tools” (z. B. Delicious, Mr. Wong). So entsteht eine sehr relevante Masse an Informationen, die bei jeder neuen Erfahrung auf den neuesten Stand gebracht werden kann. Das, ergänzt um entsprechende Medien wie Videos, Bilder und Präsentationen, erleichtert z. B. das Einarbeiten neuer KollegInnen enorm und sorgt für eine unbezahlbare interne Schulung.
-Weblogs, geführt von unterschiedlichen Abteilungen, ergeben in der Gesamtheit einen komplexen, aber übersichtlichen Überblick über die Firmensituation. Wieder thematisch zusammengeführt ersetzen sie langweilige Newsletter, motivieren die MitarbeiterInnen zur kreativer Kommunikation, erleichtern den Überblick über den Stand von Entwicklungen und dienen als Learning Pool für KollegInnen. Blog-Beiträge in Wort, Bild, Ton und Video können thematisch abonniert werden und täglich, wie eine virtuelle Zeitung, als internes Update fungieren.

Sie sehen schon an dieser kurzen Liste (die sich sehr schnell um weitere Vorzüge des Web 2.0 erweitern lässt), dass die Vorteile einer solchen Unternehmenskommunikation enorm sind. Aber warum funktioniert dieses System so gut? Zum einen liegt das an der Technik, die sich permanent den Kommunikationswünschen des Menschen angepasst hat, zum anderen am Menschen selbst: sein tiefes Grundbedürfnis ist die Kommunikation. Je leichter sie ihm ermöglicht wird, desto mehr wird er kommunizieren (denken sie hierbei nur an die Erfindung des Telefons!).

Warum also tun sich Unternehmen so schwer mit dieser logischen Entwicklung, zumal deren Anwendung zum jetzigen Standpunkt auch noch einen enormen Wettbewerbsvorteil mit sich bringen würde?
Die Antwort ist ganz einfach: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht!
Die Generation der leitenden Manager ist nicht mit den Strukturen des modernen Internets vertraut. Das ist kein Vorwurf (oder nur ein kleiner): für ihre Kommunikation, privat wie beruflich, hat das Web 2.0 keine Rolle gespielt. Sie haben vielleicht einen Xing-Account, bestellen bei Ebay und Amazon Waren und haben vielleicht schon einmal Skype genutzt…aber das war es dann auch schon. Sie nutzen Kommunikationstechnik wie Fax und Email, dass von den 15-25 jährigen schon als “Retro” empfunden und nur noch wenig genutzt wird. Sie haben Rechner, die auf die Erfordernisse des betrieblichen Alltags ausgerichtet und sehr, sehr oft nicht in der Lage sind, sich aus (berechtigten) Sicherheitsbedenken nicht mit Anwendungen wie Social Networks und Chat-Clients zu verbinden (hierbei ist der Sicherheitsaspekt daher gerechtfertigt, da vielen Menschen die nötige Web-2.0-Medienkompetenz schlicht und ergreifend aus Mangel an Schulung fehlt).

Ihnen fehlt das Verständnis und daher der Mut, sich diesen natürlichen Entwicklungen zu öffnen und sie kreativ zum Wohl des Unternehmens einzusetzen.

Was daraus resultieren kann, möchte ich Ihnen an dem folgenden englischsprachigen Video zeigen:

Gut, hier wurde übertrieben.
Aber ich mag dieses Video und zeige es immer gerne, wenn es darum geht einmal den Mut zu haben, sich neuen Dingen zu öffnen und etwas zuzulassen, was man vielleicht nicht kontrollieren kann. Aber Eigeninitiative ist ein wertvolles Mitarbeiterkapital und dieses ist, gerade in Zeiten negativer wirtschaftlicher Entwicklungen wertvoller denn je!

Aber, werden Sie jetzt vielleicht fragen, was hat das mit einem Kulturunternehmen zu tun?
Nehmen wir einmal ein Orchester, ein Theater oder Oper. Locker nimmt die Zahl der MitarbeiterInnen es hier mit einem mittelständischen Unternehmen auf. Es gibt also X-hoch-X Kommunikationsschnittpunkte, eine unüberschaubare Menge an Informationen und ganz, ganz wenige dauerhafte Informationsspeicher, an denen alle partizipieren oder gar mitarbeiten können. Was würde ein oben besprochenes Intranet hier für (finanzielle, organisatorische, logistische,…) Vorteile bringen! Selbst wenn es nur Stück für Stück wachsend und begleitet von Schulungen sich in einer Spielzeit langsam entfalten könnte, wäre es eine dauerhaft lohnende Investition.

Wie einige wenige Unternehmen diese neue Unternehmenskultur bereits nutzen und welche Erfahrungen sie dabei machen, hat die Forschungsgruppe Kooperationssysteme der Bundeswehr Universität München einmal genauer erforscht. Was dabei herausgekommen ist, mag nicht so unterhaltsam wie das obige Video sein, zeigt aber ein eindeutiges Ergebnis: Der Weg für Unternehmen zu einem Enterprise 2.0 ist, richtig, wichtig und Aufwand und Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Die Studie können Sie sich HIER als PDF kostenlos herunterladen.

Sollte dieser Exkurs in eine neue Welt der Unternehmenskommunikation Ihr Interesse geweckt haben, werde ich ihn gerne um konkrete Beispiele und Lösungen aus der Praxis ausbauen.

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Kulturunternehmen 2.0

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2 Kommentare zu “Kulturunternehmen 2.0”

  1. [...] Kulturunternehmen 2.0 – Deze site is echt wel een ontdekking. stArtconference.org is het adres van deze mensen. misschien moet ik maar eens naar die startconference toe in september… [...]

  2. [...] Vor ein paar Tagen hat Frank Tentler auf dem stART.09-Blog einen ganz interessanten Beitrag über Kulturunternehmen 2.0 geschrieben. Darin beschreibt er die Vorteile, die der Einsatz verschiedener Web2.0-Tools auch im [...]

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