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Serie Web 2.0 im Kulturbereich – Basiswissen: Web 2.0 im Fundraising

von am 23. März 2009

Teil 5 der Serie Web 2.0 im Kulturbereich – Basiswissen

wordle-fundraising

Grafik: www.wordle.net

Web 2.0 im Fundraising

Bevor Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie das Web 2.0 im Fundraising einsetzen könnten, sollten Sie sich in Erinnerung rufen, was Fundraising eigentlich bedeutet, und vor allem: Was die Motive eines Spenders sind, Sie mit Geld- oder Sachspenden zu bedenken.

Im Gegensatz zu einem Sponsor, der eine klar abgesprochene Gegenleistung für seinen finanziellen Einsatz bekommt,  muss sich ein Spender mit dem Gefühl begnügen, etwas Gutes getan zu haben. Gegenleistung bekommt er keine, außer vielleicht mal ein schönes Essen im Kreise der Förderer oder eine Spezialführung durch Ihre Einrichtung.

Warum spendet er dann, und was erwartet er sich dabei?

“Philantropie (Anm: das ist der Fachausdruck für nicht gewinnorientiertes Geben von Wertgegenständen, Geld oder Zeit) stellt eine wichtige Möglichkeit für die einzelnen Menschen dar, die Entwicklung der Gesellschaft zu beeinflussen” ,

schreibt Marita Haibach im Handbuch Fundraising, dem Standardwerk zu diesem Thema. Und weiter

“philantropisches Engagement kann dem eigenen Leben einen neuen Sinn geben und wirkt identitätsstiftend – und dies kann eine große persönliche Bereicherung bedeuten.”

Nun denken Sie einmal an sich selbst:

Welcher der vielen Organisationen, Einrichtungen oder Privatpersonen, die an Sie mit der Bitte um eine Spende herantreten, werden Sie unterstützen?

Natürlich die, mit deren Anliegen Sie etwas anfangen können.

Aber das nicht allein:

  • Sie wollen Vertrauen in die Organisation haben.
  • Sie wollen als Spender beachtet und ernst genommen werden.
  • Besonders, wenn Sie größere Summen geben, wollen Sie sich auch mal zu Wort melden und Ihre Meinung äußern.
  • Wenn mehrere Organisationen um Ihre Spenden werben, werden Sie bei der bleiben, die es geschafft hat, eine Beziehung zu Ihnen aufzubauen
    dazu gehört, dass die Organisation Sie regelmäßig über ihre Aktivitäten informiert und dass sie auch auf Feedback Ihrerseits reagiert.

Was nützt Ihnen dabei das Web 2.0?

Fundraising beginnt weder mit dem Zusenden eines Zahlscheins, noch mit dem Einrichten eines “Spenden”-Buttons auf Ihrer Website.
Es fängt damit an, Vertrauen aufzubauen und Transparenz zu schaffen, schließlich will der Spender ja wissen, wem er sein Geld anvertraut.

Genau das ist die Spielwiese des Web 2.0 – dabei kann die ganze „Web 2.0-Palette“ zum Einsatz kommen – ein Blog, das Hintergrundinfos liefert und Ihre Einrichtung transparent und authentisch vorstellt, Facebook oder andere Communities für Beziehungspflege und Diskussionen, Flickr und YouTube, um  Einblicke in Bildern zu geben,  Twitter, um sich regelmäßig in Erinnerung zu rufen… (auf die Tools im Einzelnen werde ich im Rahmen dieser Serie noch ausführlich eingehen).

Zusätzlich haben Sie als Non-Profit-Einrichtung oder gemeinnütziger Verein die Möglichkeit, auf einer passenden Online-Plattform (wie z.B. kaioo, change.org oder Helpedia)  Spenden zu sammeln – und sie können die Blogosphäre und Communities nutzen, um Ihr Anliegen zu verbreiten.

Das heißt nun natürlich nicht, dass Sie ab nun Ihre (potenziellen) Spender „offline“ nicht mehr ansprechen und die Beziehungspflege zu Ihren regelmäßigen Unterstützern komplett ins Internet verlagern.  Aber als Ergänzung der Offline-Aktivitäten sollten Sie sich auf jeden Fall mit den Möglichkeiten des Web 2.0 beschäftigen. Denn sehr viele Menschen informieren sich mittlerweile im Internet, bevor sie ihr Geld irgendwo lassen.

Linktipps

Blogs zum Thema Fundraising/ Online Fundraising

Einzelne Artikel oder Blogbeiträge

(die meisten der hier verlinkten Blogbeiträge sind im Rahmen der NPO-Blogparade entstanden)

Online-Fundraising Plattformen

Buchtipps

Zur Serie Web 2.0 im Kulturbereich – Basiswissen

Nicht alle bewegen sich selbstverständlich und souverän durch Social Networks, bloggen und nutzen Twitter für Kurznachrichten. Gerade im Kulturbereich sind vielen die neuen Begriffe noch nicht geläufig oder sie wissen nicht so recht, wozu die Werkzeuge gut sind.

Jeden Montag erläutere ich daher hier Grundlagen und stelle die Möglichkeiten des Web 2.0 vor.
Ich möchte Ihnen vor allem eine Vorstellung davon geben, was Sie mit dem Web 2.0 im Kulturbereich erreichen können und welche Werkzeuge Sie wofür einsetzen. Dafür wird es bald eine Menge praktischer Beispiele geben.

Haben Sie Fragen, Themenwünsche oder selbst praktische Beispiele? Literatur- oder Linktipps zum Thema? Dann schreiben Sie doch hier im Blog einen Kommentar oder benutzen Sie das Forum unserer Xing-Gruppe!

Bisher in dieser Serie veröffentlicht:


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20 Kommentare

  1. Genau genommen beginnt es ja noch einen Schritt früher. Ich muss mir überlegen, wer ich bin (Mission) und wohin ich will (Vision). Daraus und aus den damit einhergehenden Zielen ergibt sich ein Bild, das mich dann – hoffentlich – für andere interessant macht und die Grundlage für die Kommunikation mit anderen bildet.

    Nur zu sagen: hallo, ich bin neu hier und möchte jetzt kommunizieren, ist eindeutig zu wenig. Von etwaigen Kampagnen, um an Geld zu kommen, reden wir da noch gar nicht.

  2. Karin Janner sagt:

    Klar, das ist Voraussetzung – danke für den Einwurf.

    Fundraising ist als Beschaffungsmarketing dem Marketing untergeordnet. Und das beginnt nicht mit der Kommunikation, sondern mit der Entwicklung einer Mission oder eines Leitbildes (wer bin ich), einer Vision (wohin will ich) und einer Strategie (wie komme ich dort hin).

    Im Beitrag über Web 2.0 in Marketing / PR habe ich darauf hingewiesen.

  3. In jedem Fall Zustimmung an Christian und Karin, Online-Fundrasing benötigt , wenn es erfolgreich sein soll, ein in sich stimmiges Kommunikations-Konzept (Was wird wie an wen wie oft und mit welchem Ziel kommuniziert), Kontinuität und Kontrolle aller Fundraising – MAßnahmen. Gerade für das auf einen direkten ROI abzielende Fundraising via Internet erachte ich die „klassischen Instrumente“ des Profitsektors wie zb. Suchmaschinen-Marketing (SEO/SEM) und E-MAil-Marketing, derzeit als deutlich wichtiger als Web 2.0.-Portale. Portale wie Facebook, myspace Flickr & Co. dienen in erster Linie Beziehungsaufbau und -Plege zum potentiellen Unterstützer, erst in zweiter Linie dem Fund-Raising.

    Hier bloggte ich eine Aufstellung, welche der Top 15 spenden sammelnden Organisationen in Deutschland twittern: http://www.online-fundraising.org/index.php?/twittern-hilfsorganisationen.html . NPOs in Deutschland entdecken imho gerade erst die Möglichkeiten des Web (2.0). Hier ein kostenloses eBook zum Thema Online-Fundraising: http://www.online-fundraising.org/files/online-fundraising.pdf .
    Gruß TR

  4. Stimmt, Thilo! Das Einsammeln von Geld funktioniert noch nicht wirklich, weil das Prozedere einfach noch zu kompliziert und zu teuer ist.

    Aber das wird sich ändern, denn es gibt einige Unternehmen, die daran arbeiten, den Transaktionsvorgang extrem zu vereinfachen und den Vorgang so transparent zu machen, dass sich die Leute auch trauen. Ich habe mir gerade Twitpayg , das sehr überzeugend wirkt. Aber halt in den USA und noch nicht bei uns. Aber das kommt schon noch. ;-)

    PS: danke für den Hinweis auf die twitternden Organisationen!

  5. Karin Janner sagt:

    @Thilo:

    Vielen Dank für Deine Links!
    Damit sie nicht in den Kommentaren untergehen bzw. zu wenig beachtet werden, habe ich sie in den Artikel übertragen, Dein Blog unter „Blogs zum Thema“ (falls Du noch mehr kennst, bitte gerne um einen Hinweis…), Dein e-Book unter Buchtipps.

    „…die “klassischen Instrumente” des Profitsektors wie zb. Suchmaschinen-Marketing (SEO/SEM) und E-MAil-Marketing, derzeit als deutlich wichtiger als Web 2.0.-Portale…“

    Da gebe ich Dir recht. Mir ging es auch weniger um die Portale als darum, dass eine Einrichtung über Web 2.0-Tools deutlich bessere Möglichkeiten hat, sich im Web zu präsentieren, Transparenz zu schaffen und Vertrauen aufzubauen als mit einer „herkömmlichen“, vielleicht sogar schlecht gepflegten, Internetseite.

    Und dabei schlägt sich das gar nicht mit den „klassischen“ Online-Marketing-Instrumenten. Klar ist SEO wichtig – ein Blog ist dafür mehr als hilfreich!
    E-Mail-Marketing ist ok, aber der Empfänger der Mail schaut sich ja auf der Internetseite der Organisation oder Einrichtung um…

    Es ist also keine entweder- oder-Entscheidung (klassisches Online-Marketing versus Web 2.0-Maßnahmen), sondern die Maßnahmen ergänzen sich.

  6. […] Gegensatz zum Fundraising (siehe Beitrag Fundraising im Rahmen dieser Serie) ist Sponsoring ein Geschäft aus Leistung und […]

  7. […] ging es um die Beschaffung von Finanzmitteln für Kultureinrichtungen oder Kulturprojekten mittels Fundraising und Sponsoring und wie Ihnen das Web 2.0 dabei nützlich sein […]

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