21 04 09

Serie Web 2.0 im Kulturbereich – Basiswissen: Neue Formen der Kulturfinanzierung im Web 2.0

Autor: Karin Janner

wordle-kulturfinanzierung

Grafik: www.wordle.net

So, nach einer osterurlaubsbedingten Pause geht es weiter mit der Serie Web 2.0 im Kulturbereich – Basiswissen – Teil 7

In den letzten beiden Teilen dieser Serie ging es um die Beschaffung von Finanzmitteln für Kultureinrichtungen oder Kulturprojekten mittels Fundraising und Sponsoring und wie Ihnen das Web 2.0 dabei nützlich sein kann.

Es gibt noch andere Möglichkeiten der Kulturfinanzierung, die im Web 2.0 zu einer interessanten Alternative geworden sind – und dabei meine ich nicht den “normalen” Verkauf von Tickets/ materiellen Kulturgütern oder Merchandising.

Es handelt sich um Preisfindungsmodelle mit partizipativen Preismechanismen – Käufer haben dabei Einflussmöglichkeiten auf den finalen Preis.

Auktionen

Auktionen als Form der Preisermittlung kennt man, seit es Preise gibt (und auch Kunstauktionen finden schon lange statt):  Der Verkäufer gibt einen Mindestpreis vor, die potentiellen Käufer geben Gebote ab – der Käufer mit dem Höchstgebot erhält den Zuschlag.  Mit ebay hat sich dieses Modell im Web verbreitet.
Mittlerweile hat sich ebay auch im Kunst- und Kulturbereich einen Namen gemacht. Künstler versteigern Gemälde und Skulpturen (dazu ein Artikel auf wortfilter.de), Bands, wie z.B. die Frankfurter HipHop-Band Kingstrumentals, versteigern Songs (dazu ein Artikel auf DE:BUG), und der Kabarettist Günter Schütter versteigerte sich gleich selbst -bzw. sein Kabarettprogramm (dazu ein Interview auf dem Kulturmanagement Blog).

Pay-What-You-Want

Beim Modell “Pay-What-You-Want” (PWYW, Zahle-was-Du-willst) legt der Käufer den Preis für das Produkt, das er erwerben möchte, fest:  Er zahlt einen Preis, den er für angemessen hält.
Im Gegensatz zu Auktionen existiert bei PWYW kein Mindestpreis – der Preis kann also auch Null sein.

Ein Beispiel für PWYW lieferte im Oktober 2007 die britische Rockband Radiohead. Sie überließ ihren Fans für zwei Monate die Preisbestimmung für das damals neu erschienene Album „In Rainbows“ zum Herunterladen auf ihrer Internetseite. Nach Veröffentlichungen des Marktforschungsunternehmens comScore haben 62% der Zahlenden nicht mehr als die obligatorischen Kreditkartengebühren bezahlt. Der durchschnittlich gezahlte Preis über alle Downloads lag hierbei bei 2,26$, während die bezahlten Downloads auf einen Durchschnittsspreis von 6$ kamen. Laut Bandmitglied Thom Yorke, konnte die Band Radiohead jedoch von PWYW profitieren. (Bericht darüber in The New York Times, Interview mit Thom Yorke in Wired)
(Quelle: Wikipedia)

Natürlich hat es eine Band wie Radiohead leichter, über “Pay what you want” Geld einzunehmen als eine unbekannte Band. Hier ist die Gefahr gegeben, dass die CD heruntergeladen wird und kaum jemand bereit ist, dafür zu zahlen. (Dazu eine Diskussion auf dem Kulturmarketing Blog)

Crowdfunding

Beim Crowdfunding wird das Geld für ein Projekt durch eine Community bereitgestellt. Jedes Mitglied der Community trägt mit einen kleinen finanziellen Beitrag zum Gelingen des Projektes bei.  Die Mitglieder dieser Community

  • können das Geld entweder spenden – dann zählt es eigentlich zum Fundraising (z.B. das Liverpool Kultur Cafe, Artikel auf Crowdwisdom)
  • oder sie erhalten Gegenleistungen dafür, die ihnen helfen, Image und Bekanntheitsgrad zu steigern – dann kann man es dem Sponsoring zuordnen
  • oder sie leisten Vorfinanzierung für ein Kulturprodukt (mir zurzeit nur bekannt aus dem Musikbereich, mit Hilfe der Plattform Sellaband können Musiker/ Bands ihre CDs von Fans vorfinanzieren lassen; Bericht auf dem Kulturmanagement Blog)
  • oder agieren als Mini-Investoren. Die Gegenleistung für ihr Investment sind dann Anteile am Gewinn (Beispiele sind My Million Dollar Movie (Film), Bericht darüber auf dem Kulturmanagement Blog und slicethepie (Musik))

Die Herausforderung besteht darin, eine entsprechend große Community aufzubauen und diese dann zum Mitmachen zu animieren.

erklärt Christian Henner-Fehr im Artikel  “Crowdfunding – eine Alternative zum traditionellen Fördermodell?” auf dem Kulturmanagement Blog.
Einen Überblick über Crowdfunding Projekte gibt es auf Get Paid to PPC.

Hauptsächlich Musik – und Filmbranche experimentieren mit dem Web 2.0 in Punkto Finanzierung und probieren neue Möglichkeiten aus. Von Theatern, Museen, ja selbst von Verlagen (für die sich diese Modelle sicher eignen würden) hört man kaum etwas in diese Richtung – aber das kommt vielleicht noch… Oder kennt jemand Beispiele? Bitte gerne als Kommentar posten!

Zur Serie Web 2.0 im Kulturbereich – Basiswissen

Nicht alle bewegen sich selbstverständlich und souverän durch Social Networks, bloggen und nutzen Twitter für Kurznachrichten. Gerade im Kulturbereich sind vielen die neuen Begriffe noch nicht geläufig oder sie wissen nicht so recht, wozu die Werkzeuge gut sind.

Jeden Montag erläutere ich daher hier Grundlagen und stelle die Möglichkeiten des Web 2.0 vor.
Ich möchte Ihnen vor allem eine Vorstellung davon geben, was Sie mit dem Web 2.0 im Kulturbereich erreichen können und welche Werkzeuge Sie wofür einsetzen. Dafür wird es bald eine Menge praktischer Beispiele geben.

Haben Sie Fragen, Themenwünsche oder selbst praktische Beispiele? Literatur- oder Linktipps zum Thema? Dann schreiben Sie doch hier im Blog einen Kommentar oder benutzen Sie das Forum unserer Xing-Gruppe!

Bisher in dieser Serie veröffentlicht:

  • “Was ist das Web 2.0?”
  • Das Medium Internet -  wie unterscheidet es sich von den klassischen Kommunikationsmedien?
  • Einsatzgebiete von Web 2.0 im Kulturbereich – ein Überblick.
  • Kulturmarketing und PR im Web 2.0
  • Web 2.0 im Fundraising
  • Web 2.0 + Sponsoring / Sponsorenakquise
  • Drucken
    Serie Web 2.0 im Kulturbereich – Basiswissen: Neue Formen der Kulturfinanzierung im Web 2.0

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    5 Kommentare zu “Serie Web 2.0 im Kulturbereich – Basiswissen: Neue Formen der Kulturfinanzierung im Web 2.0”

    1. Doro Martin sagt:

      Danke für die Anregung! Ich kenne natürlich das Radiohead-Modell, für uns selbst als Verlag hatte ich darüber aber noch nicht nachgedacht.
      Was mir sonst noch zu Verlagen einfällt:
      Etwas Ähnliches hat der Blumenbar Verlag in München praktiziert. Hervorgegangen aus einem Hausbar-Projekt mit Musik und Lesung, vergrößerte man sich mehr und mehr, der Vermieter machte Ärger und dann gings irgendwann los, mit Umzug und Bücher verlegen. Um das zu finanzieren (oder es war erst eine Zwischenfinanzierung) gab man den Fans die Möglichkeit “Club-Mitglied” zu werden. Als Mitglied bekam man einen Schlüsselanhänger (natürlich von der Hausdesignerin entworfen), freien Eintritt zu den Partys und ermäßigten zu den Lesungen. Und natürlich war man im Verteiler… Ich kann nicht definitiv sagen, ob das dazu diente, die Bücher mitzufinanzieren oder ob es vor allem ums Marketing ging, im Verlagsbereich ist es aber (zumindest in Deutschland) ein ziemlich neues Modell gewesen – oder?
      Und Kookbooks Berlin hat Anfang Februar die Aktion “Kunst sucht Mäzene” mit einer großen Party + Versteigerung in den Sophiensälen in Berlin beendet. Befreundete Künstler hatten Werke gespendet, die vom Verlag über mehrere Monate versteigert werden durften, um Kapitel für das Fortbestehen des Verlags zu gewinnen.

    2. Karin Janner sagt:

      Hallo Doro,

      vielen Dank für Deine Tipps!
      Ja! Vom Blumenbar Verlag habe ich auch schon mal wo gelesen, sowas spricht sich rum…
      Die Aktion “Kunst braucht Mäzene” kannte ich noch nicht, ich finde sie spannend und habe auch ein Blog dazu gefunden:

      Hier die Links:
      http://www.blumenbar.de
      http://www.kunstbrauchtmaezene.blogspot.com

    3. [...] ihre CD-Produktionen von Fans vorfinanzieren klassen können.Ich habe im Rahmen meiner Serie “Web 2.0 im Kulturbereich/ Basiswissen – Kulturfinanzierung” darüber berichtet, einen ausführlichen Bericht über Idee und Geschäftsmodell von Sellaband gibt [...]

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