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Bühnen Halle: Auf zu neuen Ufern!

Erste Arbeitsskizze der neuen Website, Juni 2009 | ©  franktentler.com

Erste Arbeitsskizze der neuen Website, Juni 2009 | franktentler.com


Die “Theater, Oper und Orchester GmbH Halle” hat eine neue Website!

Noch vor ein paar Jahren wäre diese Nachricht sicherlich einen Zeitungsbericht wert gewesen. Aber heute ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Kulturbetriebe ihre Aktivitäten im Internet darstellen. Websites sorgen so dafür, dass Zuschauer und Freunde des Hauses eine verlässliche und immer erreichbare Informationsquelle erhalten und direkt in Kontakt treten können.
Das moderne Internet bietet jedoch viel mehr und da die Bühnen Halle sich zum Ziel gemacht haben, diese Entwicklung ernst zu nehmen, ist die Bekanntgabe dieser neuen Website doch etwas Besonderes. Warum das so ist, liegt an den interaktiven Möglichkeiten des gemeinhin als “Web 2.0″ bezeichneten Internets der zweiten Generation.

In “Social Networks” - wie z. B. Facebook, Twitter, Xing und MySpace - interagieren die Menschen so selbstverständlich miteinander, wie sie es in ihrem realen Leben gewohnt sind. “Social Media”-Plattformen (z. B. YouTube und Flickr) bieten eine riesige Auswahl an Audio- Video- und Bild-Angeboten, die stetig durch die Nutzer erweitert, bewertet und weiterempfohlen werden. Information und Unterhaltung, welche früher ein Monopol der klassischen Medien waren, werden immer mehr zu einem Allgemeingut, das Jeder selbst produzieren und für die eigene Nutzung personalisieren kann.

Content is King- und der digitale Mensch Quelle und Nutznießer der Web-Inhalte in einer Person.

Natürlich lässt sich trefflich darüber streiten, welche Qualität diese Inhalte haben. Darüber gehen die Meinungen stark auseinander und gerade für den Web-Neuling oder -Unerfahrenen sind die Möglichkeiten der persönlichen und gezielten Inhaltsnutzung nicht offensichtlich. Zu neu sind die Angebote, zu unübersichtlich die Anwendungen und zu wenig selbsterklärend deren sinnvoller Einsatz. Es wird wohl noch einige Jahre dauern bis das Internet ähnlich einer lernfähigen Fernsehfernbedienung funktioniert, die auf Knopfdruck exakt die Inhalte wiedergibt, die an dieser Stelle hinterlegt sind. Bis dahin wird man sich seine Web-Favoriten sammeln und durch seine Netzwerke auf interessante Inhalte aufmerksam gemacht werden.Es bleibt aber Fakt, dass die Nutzung der klassischen Medien stark rückläufig ist und sich Informations- und Mediennutzung rasant ändern. Schon steht die nächste Revolution vor dem virtuellen Tor: Das “Mobile Web”, das alle uns bereits bekannten Inhalte des Internets auf kleine und raffinierte Westentaschen-Geräte bringt.
Fakt ist auch, dass die Generation der “Digital Natives”, also der Menschen, die mit dieser virtuellen Welt aufgewachsen sind und diese intuitiv bevölkern, in den kommenden Jahren zur größten Gruppe der Internetnutzer wird.

Aber welche Rolle spielen Kunst und Kultur im modernen Internet? Können Sie sich in dieser Flut von Inhalten behaupten, ja überhaupt nur wahrgenommen werden?
Ich hatte das große Glück, dass ich genau vor einem Jahr (in der Entwicklung des Internets eine sehr lange Zeitspanne), aufbauend auf meinen Erfahrungen in der Entwicklung und Umsetzung von Web-2.0-Konzepten für Wirtschafts- und Medienunternehmen, mit den Duisburger Philharmonikern ein sehr spannendes Projekt initiieren und leiten durfte: Die “Philharmonie 2.0“.
Dieses in der internationalen Klassikwelt einmalige Experiment war und ist ein grosser Erfolg. Es informiert quer über die unterschiedlichsten “Social Networks” multimedial über die Aktivitäten des Orchesters. So werden Proben und Konzerte in Bild und Film dokumentiert, Hintergründe erläutert, Projekte zur Bindung neuer und jüngerer Publikumsgruppen durchgeführt und über Tourneen hautnah und aktuell berichtet. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich mit Gewissheit sagen, dass die Duisburger Philharmoniker jeden Tag genug Geschichten in Text, Bild, Ton und Video zu erzählen hätten, um Menschen unterschiedlichster musikalischer Vorbildung und Alters für sich zu begeistern.
Die Erfolge dieses Projekts waren schnell sichtbar: Im Internet entwickelte sich ein großer virtueller Freundeskreis, der nicht nur neugierig, sondern auch sehr hilfsbereit ist. Zu Konzerten reisen neue Fans teilweise über mehr als 200 Kilometern Entfernung an. Die Bekanntheit der Duisburger Philharmoniker nahm enorm zu, was sich auch in Zahl und Alter des Publikums widerspiegelte. Zudem generierte die Vorgehensweise der “Philharmonie 2.0″ so große Aufmerksamkeit und Diskussionen in Medien und Kulturszene, dass sie die Konferenz zum Thema “Kunst | Medien | Web”, - die stART.09 - initiierte.

Aber wenn das Web-2.0-Projekt eines Hauses schon so große Aufmerksamkeit erregt, wie können da erst recht fünf Bühnen informieren, unterhalten, fesseln und begeistern!

Die Bühnen Halle verfolgten diese Entwicklung sehr aufmerksam. Nach einer Zeit des Umbaus sollten auch die bisherigen Websites der Bühnen zusammengeführt werden und in einem einheitlichen Bild die Kreativität und Aktivität dieses sprudelnden Kulturbetriebs wiedergeben. Angesprochen von Isa Kathrin Edelhoff, die in Halle für den Neustart der Website verantwortlich ist und sich vorab sehr genau über Stand und Trends von Kunst und Kultur im Web informiert hatte, begannen mein Kollege Prof. Christof Breidenich und ich zu planen, wie ein so großes Projekt in so kurzer Zeit (wir hatten dafür nur die Spielzeitpause zur Verfügung) umgesetzt werden konnte. Während mein Kollege mit der künstlerischen und technisch-strukturellen Umsetzung begann, entwickelte ich eine Strategie für die Umsetzung und die Kommunikation mit den Internetnutzern, nicht nur vor Ort in Halle, sondern überregional und international.
Das Ziel sollte eine einfach zu bedienende Website sein, die alle Informationen übersichtlich und optisch ansprechend präsentiert…und Web-2.0-optimiert ist! Es sollten sowohl Beiträge und Medien aus dem Web dargestellt (wie z. B. Medien aus Social-Media-Sites wie die Bilder HIER aus Flickr), als auch Inhalte der Website über möglichst viele Social Networks verteilt werden können, um so plattformübergreifend eine große Zielgruppe zu erreichen und zu informieren. Enorm erleichtert wurde uns die Arbeit, da Frau Edelhoff detailliert die Wünsche und Vorstellungen der einzelnen Bühnen zusammengetragen und ausgewertet hatte. Eine Arbeit, die alleine schon Monate in Anspruch genommen hätte.
Als erstes Kommunikationswerkzeug wählten wir Twitter. Der dortige Account “BuehnenHalle” hat heute (09.08.09) bereits über 350 “Follower” gefunden. Ebenso erhielten wir dort wichtige Tipps für das weitere Vorgehen und vernetzten uns mit vielen Twitter-Nutzern aus Halle und Umgebung.
Weitere Plattformen werden folgen und können im Menüpunkt “Bühnen Halle 2.0” nachgelesen werden.
Überhaupt ist das Web-Projekt der Bühnen Halle eines, das sich in einer permanenten Entwicklung befindet. Genau wie das Nutzerverhalten der Menschen, verändert sich auch Technik und Leistung des Internets ununterbrochen.

Manche Experten sprechen von einem “Perpetual Beta Web”, also einem Internet, das sich in einer ewigen Entwicklungsphase befindet. Ich spreche heute lieber von dem “Lebendigen Web”. Mehr von einem Evolutionsprozess, als einem niemals fertig werdenden Produkt. Genau wie das reale Leben passt sich das Web kontinuierlich den veränderten Begebenheiten an und heute kann niemand sagen, wie es sich am Ende des Jahres präsentieren wird. Wird es neue “Killer-Applikationen” geben, so wie Twitter heute eine ist? Werden die Mega-Konzerne des Internets sich neu arrangiert oder einen der Konkurrenten zu Fall gebracht haben? Wann kommt die neue, schnellere Generation des Internets und welche Auswirkungen wird sie haben? Und wie werden wir das Web mobil nutzen?

Fragen, auf die man nur mit Vermutungen antworten kann.

Und genau diese dynamische Entwicklung muss man heute bei der Planung eines modernen und nachhaltigen Web-Projekts beachten. Die Kommunikation mit den Nutzern muss langfristig geplant sein. Darauf müssen auch die (programmier-) technischen Voraussetzungen ausgelegt sein. Genauso wie man bei einem Umzug seine Handy-Nummer nicht wechselt, sollte man bei einer Veränderung der Website nicht die Leitungen zu den virtuellen Netzwerken kappen.

Freunde zu halten ist immer einfacher als neue zu gewinnen.

Die Bühnen Halle haben sich mit ihrer neuen Website und ihren ersten Vernetzungen in der virtuellen Welt eine solide Basis aufgebaut, um nachhaltig in den interaktiven Räumen des Internets aktiv zu sein. Sie haben spannende Geschichten zu erzählen, besitzen die nötige Offenheit, das Verständnis von den Zusammenhängen, sowie eine Strategie und eine Vision, wie sie in Zukunft Menschen für sich begeistern werden. Sicherlich müssen sie noch viel lernen und noch mehr zuhören. Aber sie haben ihr Boot zu Wasser gelassen, den Kurs gesteckt, Segel gesetzt und Fahrt aufgenommen. Sie sind offen für neue Welten und neugierig auf die anderen Bewohner des Planeten, den sie betreten haben.

Ich bin mir sicher, dass sie uns viel erzählen und Ihren KollegInnen in den Kulturbetrieben viele neue Erfahrungen mitteilen werden. Ich drücke ihnen die Daumen, freue mich auf die Entdeckungen und bin - ja, auch sicherlich das - stolz darauf, bei diesem Abenteuer mit an Bord sein zu dürfen.

Bühnen Halle: Auf zu neuen Ufern!

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