28 08 09

Die Sprecher der stART.09: Simon Bieling und Daniel Hornuff

Simon Bieling und Daniel Hornuff betreiben zusammen das Blog Bildfähig!, das sich mit der Analyse der Bilderwelten der zeitgenössischen Kultur, insbesondere auch der Social Network Sites, beschäftigt. Auf den Analysen des Blogs und des in Kürze erscheinenden Bildfähig!-Buches aufbauend, gehen Hornuff und Bieling in ihrem Vortrag der Frage nach, welche unterschiedlichen visuellen Kulturen aufeinander treffen, wenn Museen beginnen, die neuen Möglichkeiten der bildgestützten Plattformen bei der Rezeptionsanalyse ihrer Ausstellungen auszuschöpfen. Denn ohne eine genaue Bestimmung, mit welchen differierenden Bildvorstellungen und -erwartungen in den jeweiligen Feldern operiert wird, ist eine erkenntnisförderende Nutzung der Plattformen für Museen nur schwer möglich. Während YouTube und flickr ihren vorwiegenden Fokus auf die soziale Verhandelbarkeit transitiver Bildzusammenhänge richten und etwa durch Kommentaroptionen und Schlagwortverknüpfungen einen steten Bildprozess generieren, liegt die Kompetenz des Museums vor allem und gerade in der Herauslösung einzelner Bilder aus übergreifenden Zirkulationsprozessen.

Vor diesem Hintergrund widmet sich der Beitrag konkreten Fotografien und Videos und zeigt auf, mit welchen bildwissenschaftlichen Instrumentarien auf jene Ausstellungsabbildungen zugegriffen werden kann, die in die digitalen Bildarchive wie flickr und YouTube eingeführt wurden. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Bedeutungsumwandlung gelegt, die einer Ausstellung durch eine solche visuelle Nachbereitung widerfährt. Dazu werden neben Fragen der Bildnavigation und des Bildrankings vor allem die verschiedenen Kontextualisierungsformen in den Blick genommen: Bewertungen, Tags, Fotostreams oder etwa die Funktion der Related Videos auf YouTube liefern wertvolle Hinweise, wie Benutzer die eigene Ausstellungsrezeption und ihre ästhetische Wahrnehmung in neue Darstellungsformen überführen und letztlich eine Kommunikation mit Bildern über Bilder und deren Präsentationsformen lancieren.

Ziel ist es, zu zeigen, wie Ausstellungsprojekte auf eine noch wenig bekannte, aber doch im Aufkommen begriffene, bildästhetisch artikulierte Weise rezipiert werden, was Museen aus den weiterverarbeitenden Unternehmungen ihrer Besucher erfahren können und mit welchen besonderen Herausforderungen und Möglichkeiten sie dadurch zukünftig konfrontiert werden.

Simon Bieling, geb. 1979, studierte Fotografie in Bielefeld und arbeitete nach seinem Abschluss als Beaumont Newhall Curatorial Fellow in der Fotografieabteilung des Museum of Modern Art. Dort war er zuständig für die kunsthistorische Erschließung der Thomas Walther Collection, einer der bedeutendsten Fotografiesammlungen der klassischen Moderne. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland studiert er Kunstwissenschaft/Medientheorie und Philosophie an der HfG Karlsruhe.

Dr. phil. Daniel Hornuff, geb. 1981, studierte 2003-2005 Theaterwissenschaft, Germanistik und Komparatistik in Leipzig und 2005-2007 Studium der Kunstwissenschaft/Medientheorie und Philosophie/Ästhetik an der HfG Karlsruhe. 2007 schloss er sein Studium mit einer Magisterarbeit über den „Bilder-Chor im Theater Piscators“ ab. 2009 folgte die Promotion mit der Dissertation „Im Tribunal der Bilder. Über die Nachverhandlung der Realität in Theater und Musikvideo“. Hornuff arbeitet seit 2007 als Dozent für Kunstwissenschaft an der HfG Karlsruhe, seit 2009 unterrichtet er zusätzlich an der LMU München im Fach Theaterwissenschaft.

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