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Web2.0: a place of action, not just information (Interview mit Dirk Heinze)

von am 14. August 2009

Dirk Heinze

Vorbei die Zeiten, als man das Internet nur betrat, um Informationen zu sammeln. Heute geht es um Kommunikation, Interaktion und Partizipation. Und das überall im Netz, nur nicht mehr auf der eigenen Homepage. Schon vor mehr als zwei Jahren hat Jeremiah Owyang über das Ende der eigenen Website geschrieben:

“But we’re tired of the corporate website and all its happy marketing speak, stock photos of smart looking dudes or minority women crowded around the computer raving about your product, the positive press release, the happy customer testimonials, the row of executive portraits, the donations your corporate made to disaster relief, the one-sided view never ends.”

Mehr und mehr verlagert sich das Geschehen in Richtung Social Web. YouTube, Flickr, Facebook, Twitter oder das eigene Blog sind die Orte, an denen der Dialog stattfindet. Was sich aus diesen Gesprächen entwickelt weiß niemand. Vielleicht interessiert sich niemand dafür, vielleicht spricht das nächste Foto, der nächste Blogbeitrag aber zigtausende Menschen an? Auch wenn vieles im Social Web unvorhersehbar und unkontrolliert abläuft. Manches sollte man wissen bzw. sich überlegt haben.

In der Juli-Ausgabe des KM-Magazins, das unser Kooperationspartner Kulturmanagement Network herausgibt, drehte sich alles um das Thema Web 2.0. Was ist das überhaupt? Wie funktioniert Twitter? Und wie ein Weblog? Wenn Sie wollen, können Sie das alles noch einmal hier nachlesen.

Kulturmanagement Network

Nachdem wir, das Team der stART.09 und einige der Vortragenden dort so ausführlich zu Wort gekommen sind, wollen wir von Dirk Heinze, einem der beiden Gründer von Kulturmanagement Network wissen, wie sie die aktuelle Entwicklung einschätzen.

stART.09: Normalerweise ist die Begeisterung groß, wenn es um Twitter, Facebook & Co geht. Fragen wir doch einmal andersherum: wann raten Sie einem Kulturbetrieb davon ab, sich mit dem Web 2.0 zu beschäftigen?

Dirk Heinze: Wer sich überhaupt nicht mit dem Möglichkeiten beschäftigt, die in Web 2.0 liegen, kann nicht einschätzen, welche Potenziale darin stecken. Insofern empfehle ich schon den Verantwortlichen in Kultureinrichtungen und –unternehmen, sich in Zeitschriften, Publikationen oder auf Konferenzen wie der Start.09 zu informieren. Die Konsequenz aus dieser Beschäftigung mit dem Thema sollte darin bestehen, die vielfältigen Web 2.0 – Kommunikationstools hinsichtlich ihrer Chancen für sein eigenes Onlinemarketing hin zu prüfen und sich dann für 1 oder 2 Technologien zu entscheiden. Wir führen diese Debatte in unserem eigenen Unternehmen auch, führen dazu u.a. regelmäßig Umfragen durch, um zu erfahren, welche Angebote sich die Nutzer wünschen. Eine Konsequenz könnte sein, dass sich unsere Berichterstattung auf dem Portal mehr in Richtung Blog verschieben wird. Umso mehr können wir thematische Schwerpunkte und Hintergrundberichte im monatlich erscheinenden KM Magazin anbieten. Wir denken zudem über die Einführung eines Podcasts nach, um O-Töne aus Interviews oder Podiumsdiskussionen auch in Bild und Ton zu veröffentlichen.

stART.09: Es fällt auf, dass viele Kulturbetriebe auf Facebook präsent sind und zu twittern begonnen haben. Blogs sucht man allerdings bei den größeren Kulturbetrieben im deutschsprachigen Raum vergebens. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Dirk Heinze: Eine Ursache könnte sein, dass Blogs eher von Leuten betrieben werden, die nicht für die Kommunikation eines traditionellen Kulturbetriebs verantwortlich sind. Dem Nachwuchs wird hier offenkundig noch nicht zugetraut, mit einer neuen Informations- und Öffentlichkeitsarbeit für Verbesserungen zu sorgen. Oder es wird den Blogs als Technologie selbst nicht zugetraut.

Die Einführung eines Blogs setzt zudem die Bereitschaft voraus, als Organisation selbst schnell und offen zu kommunizieren, womit sich manches Theater oder Museum leider noch schwer tut. Doch gerade die Chance, aktuell auf seiner Website darüber zu berichten, was sich buchstäblich hinter den Kulissen tut, und damit neugierig auf einen Besuch zu machen, ist es wert, über einen eigenen Blog nachzudenken. Es ist ja durchaus möglich, dies auf einer eigenen Plattform zu betreiben, falls die offizielle Website dies als Gründen der Corporate Communication nicht zulässt.

stART.09: Hat die Entwicklung im Internet Auswirkungen auf den Aufgabenbereich und das Anforderungsprofil von Kulturmanagern?

Dirk Heinze: Selbstverständlich. Im Grunde genommen erweitern sich aber auch damit nur die Kommunikationsmöglichkeiten. Der Dialog mit den Kunden, dem Publikum und – nicht zu vergessen – innerhalb der eigenen Organisation wird immer wichtiger und kann neben dem persönlichen Kontakt durch Onlinekommunikation verbessert werden. Besonders große Veränderungen sind im Bereich Marketing und Werbung zu verzeichnen. Hier kommt die Chance hinzu, mit weniger finanziellen Mitteln mehr zu erreichen. Einzelne Kundengruppen lassen sich nun gezielter bedienen, neue Zielgruppen sich gewinnen.

Dies setzt voraus, dass der Kulturmanager von heute mehr denn je ein Kommunikationstalent sein muss. Beherrscht er die Klaviatur der verschiedenen Kommunikationsmittel und verbindet dies mit kultureller Kompetenz, dann sehen wir geradezu einen neuen Typus Kulturmanager vor uns. Online- und „Offline“-Kommunikation sollte dabei aber aus meiner Sicht in einer gesunden Balance stehen.

stART.09: Und was bedeutet das für die Ausbildung im Bereich Kulturmanagement?

Dirk Heinze: Gerade weil die Bedeutung dieser Kompetenzen so gestiegen ist, verstehe ich nicht, warum so wenige Aus- und Weiterbildungsangebote im Kulturmanagement darauf bis jetzt mit Angeboten in ihren Curricula reagiert haben. Wir finden landauf, landab noch immer Studiengänge, die keine regelmäßigen Seminare oder Workshops dazu durchzuführen. Ein Tagesseminar allein wird hier wenig ausrichten.

Ich denke aber auch, dass die Einbindung des Themas Internet und Web 2.0 in andere Fächer förderlich ist. In den Bereichen Kulturmarketing, Personalmanagement oder Kunstkommunikation ist ein Ausblenden der Onlinedimension ja schon das Eingeständnis, dass man im Gestern stehen geblieben ist.

stART.09: Vielen Dank!

Ein Kommentar

  1. Christian Henner-Fehr sagt:

    Sorry, das PDF war defekt. Jetzt klappt der Download wieder…

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