Die Sprecher der stART.09: Anna-Carolin Weber und Tobias Kopka
Understanding and building communities – Warum Kulturschaffende gerade jetzt Social Media nutzen sollten. (Vortrag)
Communities als “neue” Kommunikationsformen im Kunst- und Kulturbereich gewinnen insbesondere in wirtschaftlichen Krisenzeiten an Bedeutung. Unter dem Eindruck des voranschreitenden Rückzugs des Sozialstaats und des Öffentlichen Sektors aus Kulturförderung und -finanzierung bei gleichzeitiger Forcierung der Eigenverantwortlichkeit von Kulturbetrieben, lässt sich auch in der Kulturpolitik eine deutliche Umstellung registrieren: vom Solidaritätsprinzip wird auf Konkurrenz umgestellt, von sozialkulturell motivierter öffentlicher Förderung auf budgetierte Mangelverwaltung, und die desozialisierte Kulturproduktion wird begleitet durch das unhinterfragbare Primat des Ökonomischen.
Von Kulturschaffenden wird „Unternehmergeist“, Eigeninitiative und effizientes Handeln verlangt. “So weit so schlecht”, könnte nun der Kommentar eines Kulturschaffenden zur Lage lauten. Im Vortrag soll jedoch im Gegenzug genau diese Situation als Chance behandelt werden, um zu verdeutlichen, wie aus der Not eine Tugend wird, um mittels neuer Kommunikationskanäle mit seinem “Publikum” zu (inter)agieren.
Communities wecken die Erwartung, dass die medientheoretischen Utopien der 1920er Jahre – wie z.B. in Bertolt Brechts Radiotheorie oder in Walter Benjamins Kunstwerkaufsatz skizziert – Wirklichkeit werden können: Kulturproduzenten und -rezipienten tauschen je nach Situation ihre Rollen, interagieren, rezipieren und koproduzieren wechselseitig und erscheinen damit gleichberechtigt in einem symmetrischen, enthierarchisierten Kommunikationsprozess.
Da Communities jedoch zielgenau und themenfokussiert initiiert und betrieben werden müssen, bis sie sich schließlich selbstwirksam aktiv erhalten, benötigt es einen genaueren Blick auf die Bedingungsmöglichkeiten einer erfolgreichen Community. Theoretisch gesprochen: Communities sind erst ab einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Aktivität kommun, vorher unterliegen sie dem Paradox, dass die Kommunikation über die Community voraussetzt, was erst geschaffen werden muss. Folglich werden im zweiten Teil des Vortrags Bausteine zum Aufbau und zur Strukturierung einer Community vorgestellt. So werden Prinzipien des Community-Buildings wie Adressierungsstrategien, Aufmerksamkeitsgenerierung, die notwendigen Ressourcen und Managementprozesse zum Aufbau einer Community, sowie die Möglichkeiten und Konsequenzen dieser Kommunikationstechnologien aufgezeigt.
Anna-Carolin Weber, M.A. (*1980), ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin für Mediensystem/Mediengeschichte und Kommunikationstheorie an der macromedia hochschule für medien und kommunikation (MHMK) in Köln und promoviert am Institut für Theater-, Film und Fernsehwissenschaften an der Universität zu Köln zum Thema „Deutsch-deutsche Mediengeschichte“. Daneben arbeitet sie als freischaffende Choreographin, u.a. Gastchoreographien mit ERROR (2006), FRAGMENTE (2008), MADAMSKI (2009) am Tanztheater Schlebusch. Arbeitsschwerpunkte: Film- und Fernsehgeschichte, Medien- und Kommunikationstheorie, Performative Kunst und Neue Medien, Spannungsfeld Public Relations und Kultur.
Tobias Kopka, M.A. (*1976), ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der internationalen filmschule köln (ifs) und promoviert am Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Universität zu Köln zum Themenkomplex „Virtuelle Welten, Echtzeit und Computerspiele“. Daneben arbeitet er als Dozent für Interaktive Medien/Mobile Kommunikation und Medienforschung an der macromedia hochschule für medien und kommunikation (MHMK) sowie als freier Medien- und IT-Berater in Köln. Arbeitsschwerpunkte: Geschichte und Theorie des Computerspiels, Spannungsfeld Virtualität/Realität, Interaktive Kommunikation, Medien- und Kommunikationstheorie.
Schlagworte: Anna-Carolin Weber, Community, Community-Building, Social Communities, Social Media, Tobias Kopka


