Die Sprecher der stART.09: Ralf Metzenmacher
Open Art – Die Brücke zwischen Kunst und Design (Vortrag)
In Zeiten in denen alles möglich erscheint und die Kommunikation durch technische Errungenschaften vereinfacht ist, bleibt jedoch eine Frage unbeantwortet:
1. Wie können Menschen außerhalb meiner Welt von dem erfahren, was ich als forschender Designer und Maler an Erkenntnissen gesammelt habe?
Die Antwort scheint völlig einleuchtend und einfach: Das Internet! Auf meiner Reise durchs Leben habe ich herausgefunden, dass wir Bildung mit Wissen gleich setzen. Im Internetzeitalter ist das Wissen, nahezu jederzeit verfügbar und für viele Menschen zugänglich. Wissen hilft uns häufig die Zukunft zu prognostizieren und unser Handeln dementsprechend zu steuern. Wissen kreiert fachspezifische Kenntnisse und verändert Lebensgewohnheiten. Wissen hat nur einen Nachteil: Es wird ständig mit Begreifen verwechselt. Begreifen aber setzt zwei Dinge voraus:
- sich selbst ein Bild zu machen und
- ein persönliches in-die-Hand-nehmen, fühlen oder manchmal sogar riechen.
2. Lassen sich Erkenntnisse überhaupt über- und vermitteln, oder ist das nur bei Wissen möglich?
Nur Wissen lässt sich vermitteln. Das Begreifen kann man nicht vermitteln. Das muss sich jeder selbst erarbeiten. Da die Kombination aus Wissen und Begreifen zu Erkenntnis führt, ist Erkenntnis nicht zu vermitteln. Dieses Phänomen kennen wir aus Gesprächen mit älteren Menschen. Die haben oft einen sehr hohen Anteil am Begreifen, können uns das im Gespräch aber nur andeuten und wir sind dazu verdammt ihnen zu vertrauen und sie ernst zu nehmen. Das ist quasi die Grenze des Internets. Stand heute.
3. Welche Rolle spielt dann das Internet?
Das Internet kann Menschen bewegen sich mit Dingen, Aussagen, Bildern, Fragen und Perspektiven zu beschäftigen mit denen man sonst nicht in Kontakt käme. Das setzt aber ein hohes Maß an Vertrauen voraus. Das sollte aber von der grundsätzlichen Richtigkeit nicht ablenken. Das Internet kann somit der Stein des positiven Anstoßes sein und den Grund liefern, sich tiefer oder länger mit Menschen, einer Idee, einem Problem etc. zu beschäftigen. In meinem Fall mit der Frage: Macht Stilllebenmalerei heute noch Sinn? Und wenn es dann Sinn macht, wie kann ich meine Erkenntnisse anderen Menschen zur Verfügung stellen?
4. Was bedeutet Qualität in dieser Hinsicht? Wie wichtig ist die noch?
Dekoratives, Oberflächliches und Äußeres lässt sich via Internet wunderbar vermitteln und kann in Zusammenhang mit Worten und Text zu einem gewissen Grad von Verständnis führen. Das führt in der Regel zu Interesse oder auch zu Desinteresse an der Sache. Dabei fällt vieles durch die enorme Geschwindigkeit nicht wirklich auf, oder erregt Überraschung oder Verwirrung. Das ist aber das, was Menschen gerne hätten. Sie wollen überrascht werden. Gute Kunst, gutes Design und gute Kommunikation drückt sich durch das Weglassen des Unwesentlichen aus, also durch Reduzierung und zwar am Inhalt. „Kurz, bündig und prägnant“ hilft bei der Kommunikation und das kann eine Open-Art Idee leisten. Wenn ich als Maler von der Demokratisierung der Kunst spreche, dann ist das Internet die Demokratisierung der Kommunikation. Allerdings nicht günstig oder billig, sondern immer bezahlt man einen Preis für gelieferte Qualität. An dieser Stelle kommen beide Welten dann gut zusammen.
5. Wer kann aus dem Wust an Informationen noch Nachrichten von Bedeutung erkennen?
Aus meiner Sicht bildet sich die Mehrheit der Menschen immer ein persönliches Urteil innerhalb von Sekunden. Das geschieht intuitiv und aus der Sicht von persönlichen Vorlieben oder Geschmacksrichtungen, oft natürlich auch über Bildung und Wissen. Aber erst, wenn der Teil des Begreifens hinzukommt, kann man eine Lage, ein Angebot oder eine Idee nach realen Gesichtspunkten einordnen und versuchen zu kommunizieren.
Ralf Metzenmacher, Jahrgang 1964, studierte an der Fachhochschule Aachen von 1986 bis 1991 Objekt- und Produktdesign. Bei Prof. Christiane Maether lernte er Malerei und bei Prof. Ulf Hegewald Zeichnen und Bildhauerei. Beim Sportartikelhersteller PUMA durchlief er nach dem Abschluss seines Studiums eine eindrucksvolle Karriere.
Anfangs entwarf er bei PUMA als “Designer Footwear” Schuhe. Im Bereich „Businessmanagement Accessories International“ war er neben Design zuständig für Produktmanagement, Entwicklung, Einkauf, Verkauf und Marketing. Er stieg auf zum „Director Footwear Europe & Accessories International“. Als “Chairman of the Circle” war Metzenmacher Mitglied des wichtigsten internen PUMA-Gremiums für die Zukunftsplanung. Nach über zwölf Jahren verließ er 2004 die PUMA AG; nun widmet er sich als freier Künstler ausschließlich seiner Leidenschaft - der Malerei.
Schlagworte: Kunst und Design, Open Art, Ralf Metzenmacher, Wissensvermittlung





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