04 12 09

Norbert Hayduk: Ortsbasierte Dienste für Kulturmarketing nutzen.

Autor: Gastautor

In der näheren Zukunft werden ortsbasierte Dienste zunehmend die Medienlandschaft verändern. Der Einzug vom iPhone und anderen Smartphones ermöglichen es immer mehr Menschen, jederzeit Anfragen an das Internet zu stellen, die sich auf ihr aktuelles örtliches Umfeld beziehen. Die traditionellen GPS-Empfänger werden mehr und mehr von Geräten verdrängt, die man ohnehin bei sich trägt.

So sieht die Internetseite von Gowalla nach dem einloggen aus.

So sieht die Internetseite von Gowalla nach dem Einloggen aus.

Die Anwendungen hierfür sind vielfältig. Eine davon ist Gowalla. Im Moment nur für iPhone-Besitzer erhältlich, soll Gowalla in der nahen Zukunft auf weitere verbreitete Plattformen portiert werden. Es ist im Prinzip nur ein kleines Spiel. Ziel ist es, Orte anzulegen und zu besuchen. Natürlich kann man auch die Orte besuchen, die andere Spieler angelegt haben. Für die Besuche bekommt man Punkte, manchmal virtuelle Gegenstände, manchmal virtuelle Auszeichnungen.

Erreicht man einen Ort, kann man einchecken.

Erreicht man einen Ort, kann man einchecken.

Der Clou dabei ist, dass man sich physisch in der Nähe dieser Orte befinden muss. Das stellt der eingebaute GPS-Empfänger fest (Empfangsprobleme können über WLAN-Triangulation ausgeglichen werden). So kann ich nur dann ein Opernhaus anlegen, oder dort einchecken, wenn ich vor der Tür stehe. Das psychologische Prinzip ist vom Geocaching bekannt. Ich fühle mich als Teil einer Gemeinschaft, indem ich dorthin gehe, wo die anderen gewesen sind, oder sie einlade, von mir besuchte Orte zu besuchen.

Zusätzlich nutzt Gowalla alle Vorteile sozialer Medien. Ich kann Kontakte hinzufügen, mit Personen kommunizieren und sehen, wo sie sich gerade befinden. Da ist ein kurzer Weg zu einem spontanen Treffen zum Kaffeetrinken. Im Unterschied etwa zu Bewertungsplattformen hat man bei Gowalla aktiv Spaß in der realen Umgebung. Das macht den erstaunlichen Erfolg der kleinen Plattform aus. Innerhalb weniger Tage ist die Zahl meiner Kontakte von null auf über sechzig angewachsen.

Leider haben Kultureinrichtungen dieses einfache, kostenlose Potential bisher nicht für sich entdeckt. Selbst wenn die Handlung, die hier erforderlich ist nicht darüber hinausgeht, einem Praktikanten ein Mobiltelefon in die Hand zu geben. Meine Mitspieler in Bremen legen Imbissketten, Bars, oder Drogerien an. Ich fing also damit an, insbesondere Denkmäler und Kunst im öffentlichen Raum einzutragen. Denkbar wäre aber auch, dass sich zum Beispiel ein Museum mit der aktuellen Sonderausstellung dort einträgt. Wer einen Ort erstellt hat, darf ihn auch später editieren. Die Mühe nimmt man natürlich nicht auf sich, wenn man nur zufällig in der Nähe gewesen ist.

Es lässt sich mit hoher Sicherheit prognostizieren, dass der große Durchbruch von ortsbezogenen Internetanwendungen unmittelbar bevorsteht. Kultureinrichtungen sollten sich das Internet als wunderbares Werkzeug zu eigen machen, das es ermöglicht, global präsent zu sein und gleichzeitig lokale Services anzubieten.

Der Autor

Norbert Hayduk

Norbert Hayduk studierte Erziehungswissenschaften und interessierte sich schon sehr früh für Web 2.0-Anwendungen. Er organisiert die Socialbar Bremen und berät NPO- und NGO-Organisationen zum Thema soziale Netzwerke. Er ist Künstler und lebt in Bremen. Weitere Informationen auf seiner Webseite www.hayduk.de.

Die Serie start.gast

Wir wollen nicht nur Veranstalter sein, sondern uns immer mehr in Richtung Informations-, Austausch – und Diskussionsplattform zum Thema Kultur / Internet / Web 2.0 entwickeln. Und wir wollen nicht nur unsere eigenen Weisheiten und Tipps verzapfen, sondern sind sehr interessiert an Ideen und Erfahrungen anderer Kulturschaffender. Wir wollen hier Erkenntnisse bündeln und Diskussionen anstoßen. Daher laden wir alle ein, die an dieser Schnittstelle zwischen Kunst, Kultur und Web 2.0 wirken, Gastbeiträge für unser Blog verfassen.

Bitte schicken Sie uns Ihren Themenvorschlag zusammen mit einer kurzen Bio und ev. relevanten Links zu Ihrer Person/Ihrer Arbeit – an KarinJanner@stARTconference.org. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge, die wir im Rahmen unserer Serie start.gast veröffentlichen werden.

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Norbert Hayduk: Ortsbasierte Dienste für Kulturmarketing nutzen.

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8 Kommentare zu “Norbert Hayduk: Ortsbasierte Dienste für Kulturmarketing nutzen.”

  1. Nützt man Gowalla auf diese Art, hat das bestimmt großes Potenzial. Bin unlängst auf http://foursquare.com/ gestoßen und konnte dem leider nicht viel abgewinnen. Hat aber leider irgendwie den sauren Beigeschmack der Dauerüberwachung.

  2. [...] zu Gowalla bei Kulturidee gebeten, das Thema für die stARTconferenz etwas zu vertiefen. Das Ergebnis ist gerade online gegangen. Wenn ich hier also nicht jeden Tag etwas poste, so heisst es nicht, [...]

  3. Claas sagt:

    Interessanter Artikel, danke! Gowalla läuft allerdings nur auf iPhones mit GPS. Der aussichtsreiche Konkurrent foursquare läuft auf unterschiedlichen Endgeräten, ist jedoch nur in ausgewählten Städten verfügbar (in Deutschland Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und München). Wenn genug Anfragen beim Entwickler eingehen (http://link.hamburg.de/foursquare), besteht Aussicht, dass der Dienst demnächst auch in kleineren Städten verfügbar ist, vielleicht ja auch in Bremen?

  4. Norbert sagt:

    Wer sich letztendlich durchsetzt bleibt abzuwarten. Gowalla hat eben den Vorteil, dass es Ortsunabhängig läuft. Die Benutzer bestimmen, wo die Spots liegen.
    Dauerüberwachung ist es in der Tat. Das wollen wir aber doch alle? ;)

  5. Hallo Norbert,
    toller Beitrag, toller Tipp! Probiere heute direkt im Theater Duisburg aus. Freue mich auf mehr Tipps!
    Liebe Grüsse, Frank

  6. Norbert sagt:

    Danke Frank :). Wenn ich wieder auf ein interessantes Thema stoße, melde ich mich gerne wieder bei Euch.

  7. Hallo Norbert,

    toller Tipp! Werde ich demnächst gleich mal ausprobieren.

    Grüße,
    Ulrike

  8. Norbert sagt:

    @Ulrike Es macht einfach Spaß :)

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