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Die Sprecher der stART.10: Carsten Winter „Von der Push- zur Pull-Kultur“

von am 22. August 2010

Carsten Winter

Gegenwärtig verändern sich Künste und Kultur auf eine völlig neuartige Weise. Erstmalig geht die Entwicklung von Kunst und Kultur weniger von Künstlern, Produzenten oder etwa Verteilern aus, als vielmehr von gewöhnlichen Leuten. Am besten werden die Ursachen und Folgen dieses neuen Wandels meiner Meinung verständlich, wenn man ihn als Wandel von einer „Push“- in eine „Pull“-Kultur konzeptualisiert: Von einer „Push-“Kultur, die von Künstlern gemacht und von Institutionen und Organisationen für Leute verwaltet wurde, hin zu einer „Pull“-Kultur, die sich Leute zunehmend selbst zusammenstellen. Vor diesem Hintergrund werden sich auch die Geschäftsmodelle verändern.

Die Möglichkeiten, die mit der neuen Mobilität und medialen Konnektivität der Leute zusammenhängen, und die es ihnen erlauben, sich heute praktisch mit allem und jedem zu jeder Zeit von jedem Ort aus zu verbinden (weshalb immer weniger Leute noch wirklich untereinander oder mit etwas verbunden sein dürften), fordern Künstler wie Produzenten und Institutionen heute mehr und vor allem anders heraus als je zuvor. Für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle wird ein tieferes Verständnis dieser neuen Möglichkeiten und der Art und Weise, wie diese die Künste und die Kultur herausfordern, zur wichtigsten Voraussetzung. Wir erlangen es, wenn wir Leute nicht mehr als „Masse“, „disperses Publikum“, „Ziel“- oder „Anspruchs-“Gruppe konzeptualisieren, sondern in ihrer Einzigartigkeit. Dazu müssen wir sie als konkrete Person in ihrer Lebenswelt mit ihren Herausforderungen und Problemen verstehen und beschreiben lernen.

In meinem Vortrag zeige ich, wie und warum konkrete Personen ihren Umgang mit Kunst und Kultur verändern, wie sie dabei aktiver werden und sie sich zum Gegenstand ihrer kommunikativen und sozialen Vernetzung machen. Anhand der Kulturgeschichte erläutere ich, wie und warum Akteure der Kultur schon häufiger lernen mussten, gewohnte, erprobte Perspektiven auf Kultur, Kunst und ihre Institutionen neu zu sehen – und zu vergessen.

Zur Person:

Carsten Winter lehrt Medien- und Musikmanagement am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Sein zentrales Forschungsgebiet ist Strategieentwicklung und hier insbesondere die Entwicklung von Medien und ihrem Management zur nachhaltigen Entwicklung von Kultur und Musik sowie von Gesellschaft. In diesem Zusammenhang interessiert er sich für die Entwicklung von Audience-, Artist- und Veranstaltungs- und Konvergenzprozessen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen als Autor und Herausgeber u.a. Grundlagen des Medienmanagements (2002),  Konvergenzmanagement und Medienwirtschaft (2007) und Theorien der Kommunikations- und Medienwissenschaft (2007).

Mehr über Carsten Winter im Internet:

Hochschule für Musik und Theater Hannover, Wikipedia, E-Mail

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  2. […] sprechenden Namen heute alle Ehre und startete fulminant durch mit Prof. Carsten Winters Keynote Von der Push- zur Pull-Kultur, in der er die aktuellen Vorgänge u.a. in eine weitere historische Perspektive stellte. Detail, […]

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