stARTconference

Crowdfunding und Marketing

von am 19. März 2012

Crowdfunding ist in aller Munde. Gerade auch in der Kulturszene, wo die Gelder knapper werden, erhofft man sich hier einen Ausweg aus der allgegenwärtigen Finanznot. In ihrem Buch «Der Kulturinfarkt» stellen die Autoren Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz die Forderung nach radikaler Umverteilung in der Kulturfinanzierung und haben damit bereits eine hitzige Debatte losgebrochen. Gerade auch vor diesem Hintergrund bietet das Crowdfunding eine interessante Perspekte für Kultureinrichtungen. In diesem Beitrag soll es aber vor allem um einen weiteren, bislang wenig diskutierten Aspekt des Crowdfundings gehen, der es über die Finanzierung hinaus interessant macht und den wir mit dem Crowdfunding für die stART12 ebenfalls ins Gespräch bringen möchten. Die Rede ist von Marketing und Kulturvermittlung.

Am Anfang eines klassischen Marketingprozesses steht die Marktforschung und Bedarfsanalyse bei potenziellen Nutzer, es folgen Zielgruppenanalyse und -segmentierung usw. Auf dieser Basis wird ein Produkt oder eine Dienstleistung entwickelt, die die ermittelten Bedürfnisse möglichst passgenau befriedigen und das Investitionsrisiko für den Anbieter möglichst gering halten soll. Kulturmarketing (für traditionelle Kultureinrichtungen) überspringt in der Regel diese Schritte und geht von einer von Kuratoren und Künstlern kreierten Dienstleistung aus, und versucht, für diese eine möglichst breite Öffentlichkeit zu finden. Aus diesem Grund ja auch die Kritik der oben angeführten Autoren, die deutsche Kulturszene sei zu sehr vom Angebot, zu wenig von der Nachfrage her gedacht.

Das Crowdfunding bezieht nun den Nachfrage-Aspekt in das Kulturmarketing in bislang ungekannter Weise mit ein, indem der Nutzer selbst aktiv zum Erfolg eines Projektes beiträgt und frühzeitig involviert wird: als Geldgeber, aber auch als Multiplikator und Botschafter des Projekts. Zum Start der Crowdfunding-Kampagne für die stART12 galt es zum Beispiel, eine Anzahl von 100 Fans zu gewinnen, über die gezeigt werden sollte, dass sich Leute für das Projekt begeistern lassen – was innerhalb von 15 Stunden auch gelang. So entsteht ein Involvement, das sich mit klassischem Kulturmarketing nicht erreichen lässt. Es verwundert daher nicht, wenn bislang vor allem Film- und Musikprojekte erfolgreich über Crowdfunding finanziert werden konnten – schließlich haben Schauspieler und Musiker typischerweise eine besonders treue, gebeisterungsfähige Fangemeinde.

Damit wendet sich das Kulturmarketing ab vom reinen Push-Prinzip und wird um Pull-Elemente bereichert. Diese frühe Einbindung von Fans und die Kommunikation mit ihnen bietet zudem zahlreiche Aufhänger für die Kommunikation über das Projekt sowie Ansätze für Storytelling – Schwerpunktthema der stART11. Denn hier kann über einen längeren Zeitraum – vom Start des Crowdfundings bis zum Review des Projekts in der Community – ein Spannungsbogen entworfen und ein intensiver Austausch aufgebaut werden. Da es immer noch heißt «Märkte sind Gespräche», ist dieser Aspekt für ein zeitgemäßes Marketing kaum zu überschätzen.

Auch für externe Partner wie Sponsoren und andere Unterstützer, ist das Crowdfunding eine interessante Option. Es ist üblich, den Projektfinanzierern Dankeschöns zu geben und diese Dankeschöns, zumindest bei überdurchschnittlicher Höhe der Beiträge, auch mit einer Präsenz zu verbinden, also mit Marketing und Werbung im Rahmen des Projekts. Und zwar über einen Zeitraum, der mit der Unterstützung des Projekts beginnt und mit dem Review auf das Projekt endet. Im Falle unserer Konferenz bleibt die Präsenz damit nicht auf den 14. und 15. Juni beschränkt, wie im Rahmen eines klassischen Sponsorings, sondern erstreckt sich über volle vier Monate.

Lauter gute Gründe also, das Crowdfunding einzusetzen. Für die stART12 wünschen wir uns, dass es gelingt, die Vorzüge des Crowdfundings am «lebenden Projekt» zu zeigen. Aber das gelingt nicht ohne Ihre Unterstützung! Deshalb: kaufen Sie jetzt Ihr Ticket! Sie helfen damit einerseits zu zeigen, dass Crowdfunding zur Finanzierung einer Konferenz geeignet ist und profitieren selbst von einem besonders günstigen Konferenzticket! Vielen Dank!

P.S.: Im Schweizer Radio gab es übrigens kürzlich eine interessante Sendung zum Thema Crowdfunding.

Ein Kommentar

  1. [...] ermöglicht Künstlern beispielsweise, Investoren in Übersee zu finden, oder aber – wie die startconference für Kulturschaffende – sich durch Crowdfunding zu [...]

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