stARTconference

Social Media: langweilig oder das Salz in der Suppe?

von am 7. Juni 2012

In den letzten Wochen war es nach der misslungenen Crowdfunding-Kampagne ziemlich ruhig um die stARTconference. Einige prognostizierten deshalb deren Ende und äußerten Zweifel, ob das überhaupt noch mal was wird nach einer abgesagten Konferenz. Das ist verständlich und nicht ganz unberechtigt, wenn man es aus der Perspektive eines Konferenzveranstalters sieht. Womit wir schon an einem ganz wichtigen Punkt sind, nämlich der Frage, als was wir uns eigentlich sehen? Konferenzveranstalter? Auch, ja, sonst hätten wir ja keine bis heute drei Konferenzen organisiert. Aber nicht nur. Ich sehe sie eher als Mittel zum Zweck. Als wir 2008 mit den Vorbereitungen begannen, war es unser Ziel, dem Kunst- und Kulturbereich das Thema Social Media nahe zu bringen.

Heute hat fast jede Kultureinrichtung eine Facebookseite und die besonders Wagemutigen nutzen darüber hinaus Blogs oder twittern. Ich denke, wir dürfen in aller Bescheidenheit behaupten, dass wir dazu einen zumindest kleinen Teil beigetragen haben. Und nun? Christoph Deeg hat dankenswerterweise die Steilvorlage für dieses Blogpost geliefert. In seinem gestrigen Beitrag stellt er die Frage, ob Social-Media und Gaming langweilig geworden sind? So ähnlich haben wir die Frage nach der misslungenen Crowdfunding-Kampagne auch gestellt und wir sind bei der Beantwortung zu Ergebnissen gekommen, die sich mit denen von Christoph Deeg decken.

Die meisten Kultureinrichtungen sind im Social Web angekommen, aber dort nicht aktiv

Social Media ist im Kunst- und Kulturbereich angekommen. Von Ausnahmen abgesehen spricht heute niemand mehr von einem Hype, der vorüber gehen wird und so sind die meisten Kulturbetriebe in irgendeiner Form im Social Web präsent. Aber nicht aktiv, wie Christoph Deeg richtig feststellt. Und weil man nicht aktiv ist und weil deshalb wenig passiert, haben sich viele mit Social Media arrangiert. Man hat seine Accounts und bespielt sie, wenn einem geeignete Inhalte in die Finger kommen. So weit, so gut, so langweilig. Denn es passiert das, was zu erwarten ist, nämlich meist nichts. Gut gemeinte Aktionen verlaufen im Sande, weil entweder die Ressourcen, das Know-How oder beides fehlen. Die Antwort darauf, warum das so ist, liefert Deeg in seinem Blogpost gleich mit, wenn er schreibt, dass wir es im Kultur- und Bildungssektor nicht geschafft haben, die Entscheider zu aktivieren.

“Eine Bewegung von unten nach oben kann in einem streng hierarchischen System nur in Grenzen funktionieren. Weder die Politik noch die Direktoren von Bibliotheken, Museen, Opernhäusern, Theatern etc. haben in der Breite verstanden um was geht. (…) Solange die Kulturen des Web und des Gamings nicht in den Institutionen angekommen sind, werden wir nicht erfolgreich sein. Solange wir nicht die Politik und die Leitungsebenen der Institutionen und Organisationen überzeugen, können wir nichts erreichen.”

Zu der gleichen Einschätzung sind wir als stARTconference bei unserem letzten Treffen in München gekommen. Social Media führt, so war unsere Einschätzung, ein Schattendasein und wird nicht als Chance im Hinblick auf die Zukunft gesehen, sondern eher geduldet. Also so eine Art fünftes Rad am Wagen, für das man natürlich auch kein Geld ausgibt, auch nicht für den Besuch von Konferenzen. Da wir aber davon überzeugt sind, dass Social Media nicht langweilig ist, sondern das Salz in der Suppe zukünftiger Aktivitäten von Kultureinrichtungen sein muss, ist eines unserer Ziele, den Leitungsebenen, wie Christoph Deeg es nennt, das Thema Social Media nahe zu bringen. Wir haben noch keine fertige Lösung, wie so etwas aussehen könnte, aber warum nicht einfach die Community fragen und gemeinsam eine Idee entwickeln?

Und was ist mit der stARTconference?

Wie geht es mit der stARTconference weiter? Es wird sie 2013 wieder geben, soviel ist sicher. Um sie von den stARTcamps besser abzugrenzen, setzen wir bei der stART13 weiter auf das Konferenzformat und haben die Idee, internationale Gäste für die Keynotes zu gewinnen. Was uns in der Vergangenheit mit Gästen wie Shelley Bernstein, Gerd Leonhard oder Marc van Bree gelungen ist, wird uns auch in Zukunft gelingen. Mit den Vorbereitungen dafür beginnen wir im Sommer. Stattfinden wird sie, so die Planungen, im Herbst 2013, den genauen Termin werden wir vermutlich im Herbst bekannt geben können. Idealerweise gleich mit den ersten Namen. ;-)

Die stARTcamps hingegen stehen für das Barcamp-Prinzip, d.h. hier geht es vor allem darum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und (hoffentlich) Antworten zu bekommen. Wir sind sehr stolz und dankbar, dass die Idee des stARTcamps mittlerweile in so vielen Städten umgesetzt werden konnte. Nach Veranstaltungen in Essen, Dresden, Köln und München erlebt dieses Jahr noch Frankfurt seine Premiere und Köln sein bereits zweites stARTcamp.

Weiterhin geben wird es auch die stARTtogether, in Berlin fand vor wenigen Tagen bereits die neunte Ausgabe statt (mehr dazu hier, hier und hier). Ich selbst möchte im nächsten Jahr damit auch in Wien beginnen (vielleicht klappt es ja auch mit einem stARTcamp in Österreich?). Natürlich gilt das Angebot auch weiterhin: wer gerne eine stARTcamp oder ein stARTtogether organisieren möchte, erhält von uns jede für uns mögliche Form der Unterstützung. Einfach melden und die Idee kurz vorstellen, dann sehen wir weiter.

Ausbauen werden wir im nächsten Jahr den Bereich stARTeducation. Derzeit sind wir dabei, die entsprechenden Konzepte zu entwickeln und die organisatorischen Herausforderungen zu bewältigen. Aber wir sind, so denke ich, auf einem sehr guten Weg und werden nach dem Sommer mehr berichten können. Unsere Idee ist es, einerseits Angebote zu entwickeln, die sich an Anfänger richten, andererseits geht es uns aber auch darum, sehr spezielle Themen anzugehen, die sonst meist zu kurz kommen. Das Thema Monitoring und die Frage nach dem oder besser, den richtigen Tools ist dafür ein Beispiel.

Sie sehen, wir sind in den letzten Wochen und Monaten nicht ganz untätig gewesen, auch wenn das nach außen hin vielleicht so ausgesehen haben mag. Rückblickend ist es ganz hilfreich, wenn man nicht von Terminen und dringenden Aufgaben getrieben wird, sondern auch mal wieder Zeit zum Nachdenken hat. Ob wir die Zeit sinnvoll genutzt haben, werden Sie dann entscheiden, indem Sie die Frage für sich beantworten: Social Media: langweilig oder Salz in der Suppe? ;-)

Foto: Marion Löffler / pixelio.de

8 Kommentare

  1. [...] dieser Brutstätten digitaler Kultur von enormer Bedeutung und so bin ich heilfroh, dass die stARTconferenc 2013 eine neue Runde plant. Liebe Leute, lieber Christoph Deeg, Socialmedia ist nicht langweilig geworden, allenfalls sind wir [...]

  2. Weder noch. Social Media ist eine Infrastruktur. Eine Verbindung zwischen Menschen. Das spannende und nie langweilig werdende ist die Entwicklung von Inhalten und Geschichten. Die Memetik. Die Betreuung von Fans. Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Aktionen. Die Erschaffung von neuen Inhaltsformaten etc. pp. Social Media ist nur die Infrastruktur, die dies alles in Zukunft selbstverständlich miteinander verknüpft. Zu mächtig für das Dasein als Salz in der Suppe, zu abstrakt und formbar als das Langeweile aufkommen könnte.

  3. Christian Henner-Fehr sagt:

    Stimmt, unklar ausgedrückt. Es geht natürlich um die Frage, was ich mit Social Media eigentlich mache, wozu ich es nutzen will und nutzen kann? Eine Infrastruktur kann weder das eine noch das andere sein, das, was darauf passiert, schon.

  4. Für die Kulturschaffenden und Kulturpräsentierenden eine echte Herausforderung. Sie müssen den Fokus ändern und versuchen die Menschen in den sozialen Netzwerken , eben allen, den klassischen und den neuen elektronischen, bei der Stange zu halten. Hier spielt eben das Gebiet der Social Media seinen großen Vorteil aus, es ist online und kann ständig präsent sein. Dafür muss es aber auch konstant mit interessanten Inhalten gefüllt werden.

  5. Christian Henner-Fehr sagt:

    @Wolfram Lührig: richtig, wobei es wichtig ist die Frage zu beantworten, was im Social Web “interessante Inhalte” sind?

  6. macbroadcast sagt:

    Meiner Meinung nach sind “Interessante Inhalte” , Inhalte die auf Twitter oft retweeted werden oder auf Facebook häufig geteilt, also Inhalte die Menschen “bewegen ” Dr. Kruse nennt es “kollektive Bewegungen” , spontane Aktivität oder “kreisende Erregung” http://www.youtube.com/watch?v=sboGELOPuKE

    Just my 2 Cents

  7. Christian Henner-Fehr sagt:

    @macbrodcast: die kreisenden Erregungen sind dann das Ergebnis dieser Inhalte. In meinen Augen wird der Frage, welche Inhalte dazu führen, zu wenig Beachtung geschenkt. Der ständige Hinweis auf die eigenen Veranstaltungen führt in meinen Augen nicht dazu, deshalb braucht es so etwas wie eine Contentstrategie.

  8. [...] dieser Brutstätten digitaler Kultur von enormer Bedeutung und so bin ich heilfroh, dass die stARTconferenc 2013 eine neue Runde plant. Liebe Leute, lieber Christoph Deeg, Socialmedia ist nicht langweilig geworden, allenfalls sind wir [...]

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