stARTconference

Aufruf zur Blogparade: Kultur an der real-digitalen Schnittstelle

von am 4. November 2016

Von #neustART ist im letzten Beitrag von Christian Holst hier auf diesem Blog die Rede gewesen. Neustart deshalb, weil wir glauben, dass wir es mit einer ähnlichen Situation zu tun haben wie 2009, als wir mit Hilfe der stARTconference versuchten, das Social Web für den Kunst- und Kulturbereich zu entdecken.
Heute gilt es wieder etwas zu entdecken, nämlich das Zusammenwachsen von analogem und digitalem Raum. Wie aber sehen diese Räume aus? Und was passiert mit uns, die sich in diesen Räumen bewegen? Unter dem Schlagwort der digitalen Transformation werden die Veränderungen beschrieben, die uns bevorstehen. Die einen sehen sie als Segen, die anderen empfinden es eher als Bedrohung. Immer mehr Bereiche erfahren gewaltige Veränderungen durch die fortschreitende Digitalisierung und natürlich betreffen diese Entwicklungen auch den Kunst- und Kulturbereich. Denken wir nur an die vielen Kunstwerke, die wir mittlerweile online betrachten können, ob auf der eigenen Website oder im Rahmen von Google Arts & Culture.

Wie verändert die Digitalisierung das Betriebssystem von Kultureinrichtungen?

Aber wir erleben auch, wie das Digitale das Betriebssystem von Kultureinrichtungen verändert, die Strukturen und Prozesse und daraus resultierend natürlich auch die Unternehmenskultur. Letzten Endes ist natürlich auch unsere Gesellschaft davon betroffen, Felix Stalder, Professor für Digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste, spricht von einer «Kultur der Digitalität» – so auch der Titel seines aktuellen Buches (Affiliate Link) –, die er mit Hilfe von Referentialität, Gemeinschaftlichkeit und Algorithmizität zu charakterisieren versucht. Stadler weist aber gleich zu Beginn seines Buches auch darauf hin, dass all das, was unseren heutigen Alltag prägt, nicht die direkte Folge technologischer Entwicklungen sei, sondern das Ergebnis gesellschaftlicher Transformationsprozesse, die schon viel früher begonnen hätten.
Das ist die übergeordnete Ebene, was heißt das nun aber konkret für Kultureinrichtungen? Auf der einen Seite sehen wir uns fast täglich mit neuen Technologien und daraus resultierend mit neuen Tools konfrontiert. Da geht es um die Frage, ob eine App nötig ist, ob Chatbots für den Kunst- und Kulturbereich interessant sind und was wir mit Beacons, Near Field Communication (NFC), Virtual Reality (VR) oder Augmented Reality (AR) machen. Auf der anderen Seite haben wir den Content. Um welche Inhalte geht es da genau, welche Bedürfnisse werden mit unserem Content abgedeckt und wie bringen wir rüber, was die Leser/User/Besucher hören bzw. lesen wollen, Stichwort Storytelling.

Geballte stARTcamp-Power im November

Im November finden fünf stARTcamps im gesamten deutschsprachigen Raum statt, die sich mit all diesen Fragen rund um «Kultur an der real-digitalen Schnittstelle» beschäftigen: Am 11. November in Wolfsburg, am 19. November in Bonn und am 21. November zeitgleich in Bern, Essen und Wien. Die Camps, die am 21. November stattfinden, sind inhaltlich noch enger aufeinander abgestimmt: Um die richtigen Inhalte mit Hilfe passender Tools transportieren zu können, braucht es geeignete Strukturen, Prozesse und Strategien. In Bern liegt der Schwerpunkt auf der strategischen Entwicklung von Content und dem Thema Storytelling, in Essen auf den strukturellen technologischen Entwicklungen und in Wien auf dem Betriebssystem, also den Prozessen. Diese drei Themenbereiche möchten wir danach in einem eBook zusammenführen, in dem es aber darüber hinaus auch um den Überbau, sprich, die digitale Transformation und die «Kultur der Digitalität» gehen soll.

Blogparade

Dieses eBook möchten wir nicht alleine schreiben, deshalb rufen wir zu einer Blogparade auf, die am Montag, den 7. November beginnt und bis zum 5. Dezember läuft. Wir laden Euch/Sie ein, sich Gedanken zu machen über «Kultur an der real-digitalen Schnittstelle». Ich habe versucht, in diesem Beitrag kurz anzureißen, worum es in den einzelnen Beiträgen gehen könnte. Am Ende werden wir versuchen, aus der Zusammenfassung der drei stARTcamps und den eingehenden Beiträgen zur Blogparade ein eBook zu machen, das wir kostenlos zur Verfügung stellen. Uns schwebt ein ähnlicher Ansatz vor wie beim 2011 veröffentlichten eBook «Transmediales Erzählen».

Ein paar organisatorische Dinge zum Schluss: An der Blogparade können sich alle Blogger beteiligen. Wer einen Beitrag zum Thema verfassen möchte, verlinkt einfach den eigenen Artikel auf diesen Beitrag, so erfahren wir davon. Wer kein eigenes Blog besitzt, kann natürlich auch mitmachen. Wir veröffentlichen den Beitrag dann hier im Blog, diese Beiträge bitte per E-Mail einreichen an ChristianHolst*startconference.org. Das Themenfeld ist beschrieben, andere Vorgaben wie Länge, Links, etc. gibt es nicht. Ich hoffe, alle haben Verständnis dafür, dass nicht jeder Beitrag automatisch im eBook veröffentlicht wird. Bevor wir einen Beitrag veröffentlichen, werden wir uns natürlich das Einverständnis holen und dann auch dementsprechend auf den Urheber, die Urheberin verweisen und verlinken. Falls jetzt noch Fragen offengeblieben sind, würde ich Euch/Sie bitten, einfach hier den Kommentarbereich zu nutzen.

Bildnachweis: Jason Rosewell, unsplash.com

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20 Kommentare

  1. […] startet die stARTconference-Blogparade zum Thema «Kultur an der real-digitalen Schnittstelle». Sie findet parallel und zu den gleichen Dachthema der fünf stARTcamps statt, die in den […]

  2. Bin gespannt! Und denke nach.

  3. real – digital. Wer setzt das so gegenüber?

  4. hoppla. Da war ich abgelenkt. Das ist eine Zusammensetzung. Da fehlt echt ein passender Terminus. Wie wird das Gemeinte denn andernorts bezeichnet?

  5. Christian Henner-Fehr sagt:

    Es geht darum, dass wir auf der einen Seite die reale Welt haben, in der wir z.B. in ein Theater oder in eine Ausstellung gehen. Auf der anderen Seite gibt es die digitale Welt, in der das Theater oder das Museum in einer App oder in verschiedenen (sozialen) Netzwerken existieren. Diese beiden Welten wachsen unserer Ansicht nach langsam zusammen.

    Alternativ könnte man auch die Gegensatzpaare digital-analog und online-offline verwenden. Suchen Sie sich aus, welches Ihnen lieber ist.

  6. […] es hier mit einem für den Kulturbereich wichtigen Thema zu tun haben, gibt es seit heute auch eine Blogparade dazu. Unter der Überschrift „Kultur an der real-digitalen Schnittstelle“ laden wir […]

  7. Katrin sagt:

    Klasse Thema! Nur ein doch nicht unwichtiger Hinweis: Der Autor heißt Stalder, nicht Stadler.

  8. […] Beitrag zur Blogparade Kultur an der real-digitalen Schnittstelle von Tim Sandweg […]

  9. Lieber Christian,
    Tim Sandweg, der Leiter der SCHAUBUDE BERLIN, hat für unseren Blog den Gastbeitrag „Was kann eine gute digitale Bühne eigentlich wirken?“ zur Blogparade verfasst: https://kulturfritzen.wordpress.com/2016/11/19/sandweg_digitalebuehne/
    Herzliche Grüße, Marc

  10. […] man Kultur an der digital-realen Schnittstelle erlebt, dann fällt mir eines besonders auf: Kultur ist wie Versicherung, nur extremer. Ich denke, […]

  11. Katrin sagt:

    Mein Beitrag im Blog der Münchner Stadtbibliothek schildert einige Erfahrungen, die wir als Bibliothek gemacht haben (und wie wir darauf reagieren) – vielleicht auch interessant für andere Kulturbereiche, da Bibliotheken in manchen Bereichen schlichtweg früher ‚digitalisiert‘ wurden :-) http://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/freie-raume-neue-gemeinschaftendie-bibliothek-als-real-digitale-schnittstelle/

    • Christian Henner-Fehr sagt:

      Danke, Katrin! Ich finde Eure Erfahrungen hochinteressant und finde Deine Gedanken und Eure Arbeit an dieser Schnittstelle sehr hilfreich. Die von Dir beschriebenen „Freiräume“ sind ein wunderbarer Beispiel, welche Auswirkungen eine neue Technologie haben kann, nach außen in Richtung Besucher, aber auch nach innen. Das Resultat sind nicht nur neue Prozesse, sondern auch neue Formen der Kommunikation. Ich bin mir sicher, dass Eure Besucher das Gespräch bei Veranstaltungen wesentlich mehr schätzen als die Begegnung bei Ausleihe und Rückgabe der Bücher.

    • Katrin sagt:

      Ja, das glaube (und hoffe!) ich auch, dass unsere Besucherinnen und Besucher diesen neuen Austausch mehr schätzen. Das bedeutet aber zweifellos mehr Arbeit, nicht nur wegen der Veranstaltungsorganisation, sondern weil die Hemmschwellen bei vielen Menschen oft noch hoch sind. Immerhin helfen Facebook & Co. dabei, dass Leute sich in dieser Hinsicht mehr trauen und die semi-öffentliche Äußerung langsam (wieder?) zur guten Gewohnheit wird. Als öffentliche Institution muss man dann allerdings auch damit klarkommen, dass evtl. auch mal Krakeeler diese Plattform betreten werden – ich lese ja selbst das Geschrei der Trolle noch als lautstarke Sehnsucht nach Teilhabe und Wahrgenommenwerden…

  12. […] Blick auf das eBook, das entstehen soll, ergibt sich aus dem #scvie ein plakatives Bild von Hindernissen und Hürden und von Wünschen, die […]

  13. […] Die gesammelten Erkenntnisse von allen Gruppen werden natürlich ausgewertet und erscheinen demnächst in einem eBook. […]

  14. […] Fassung – passt aus verschiedenen Gründen gut zum Thema der gerade abgelaufenen Blogparade «Kultur an der real-digitalen Schnittstelle», weswegen ich in diesem Rahmen veröffentliche. In der Ausschreibung der Blogparade schrieb […]

  15. […] letzten Jahres fand die Blogparade «Kultur an der real-digitalen Schnittstelle» statt. Wir präsentieren hier eine kurze Zusammenschau der Beiträge. Auffällig ist, dass viele […]

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